NPD Bundesparteitag zu Hitlers Geburtstag im Landgasthof „Zum Schwarzen Ochsen“ in Weinheim

NPD Bundesparteitag zu Hitlers Geburtstag im Landgasthof „Zum Schwarzen Ochsen“ in Weinheim

Zu Hitlers Geburtstag hält die NPD heute am 20. April ihren Bundesparteitag in Weinheim ab. Der Festsaal des Gasthauses ist nach deren Website für 200 Personen zugelassen. Wir hoffen sehr, dass die Behörden darauf achten werden, dass die Personenzahl nicht überschritten wird. Auch die NPD selbst sollte darum bemüht sein. Wäre es doch an des Führers Geburtstag nicht vertretbar, dass Nazis bei einem potentiellen Brand die Flucht wegen Überfüllung nicht gelingt und der Tod die Geburt verdrängt! Ca. 300 Menschen demonstrierten heute gegen den Parteitag der Ewiggestrigen. Am Sonntag den 21. April findet um 11.00 Uhr bei der Freiwilligen Feuerwehr eine Kundgebung statt. Der braune Brand soll gelöscht werden und die Feuerwehr hat spontan zu einem Tag der offenen Tür eingeladen (Albert-Schweitzer-Straße)! Doch wie steht der Wirt zu der Neonazi-Tagung?

Nach dem Weinheimblog ist die Wirtsfamilie keine unbekannte im braunen Bereich:

„Ein Mitglied der Wirtsfamilie Gassner wollte sich bei der vergangenen Kommunalwahl auf der freien Wählerliste Weinheim Plus aufstellen lassen. Nachdem die Wählervereinigung, die ihre Wahlliste im “Schwarzen Ochsen” aufgestellt hat, allerdings von der rechten Gesinnung des Kandidaten erfahren hatte, wurde dieser ausgeschlossen. In der Selbstbeschreibung preist sich das Lokal als “rustikal” mit “deutscher bürgerlicher Küche” an.“

Herr Gassner ist ein Vorbild für alle Wirte in Deutschland, die möglichst schnell ihr Gasthaus schließen und nichts mehr mit dem Wirtsdasein am Hut haben möchten. Nach den Kommentaren im Gästebuch des Gasthofes, hat die Küche nach der NPD Tagung nicht mehr viel zu tun. Wer sich als Wirt ruinieren will, der holt den NPD Bundesparteitag zu sich ins Haus. Wer dies nicht will, schmeißt selbst eine Ortsgruppe der NPD oder einer anderen extrem Rechten oder rechtspopulistischen Gruppierung aus seinen Räumen hinaus.

Vergangenheit der Wirtsfamilie, vorherige Diskussion über die Region und den NPD-Parteitag lassen im Falle dieses Wirtes auch nicht darauf schließen, dass er über den Charakter der Veranstaltung im Unklaren gelassen worden sei. Gegenüber den Weinheimer Nachrichten argumentierte er klar und deutlich: „Die NPD hat kurzfristig angefragt, ob sie den Saal mieten kann. Wir brauchen das Geld, denn die anderen Parteien kommen ja auch nicht zu uns.“ Im März diesen Jahres soll in seinem Gasthaus schon der NPD Landesparteitag Baden-Württemberg stattgefunden haben. Jetzt dürfte er auf geradem Wege in die Insolvenz schreiten. Wir halten ein solches Vorgehen der NPD Parteiführung für ein verantwortungsloses Vorgehen gegenüber ihren SympathisantInnen. Es zeigt auf, dass es mit der vermeintlichen Kameradschaft bei den braunen Horden nicht weit her ist. Der ehemalige Parteivorsitzende Udo Voigt will den Ausrichtungsstreit in der Partei scheinbar nicht verschärfen und ist nicht erschienen. Es soll eine persönliche Erklärung von ihm verlesen werden.

Wir dokumentieren hier am Stück gut zwei Stunden aus dem Gästebuch des NPD-Parteitagsgasthauses 2013 „Landgasthof „Zum Schwarzen Ochsen““ in Weinheim. Zu manchem Fleischgericht soll dort schon früher „Braune Soße“ gereicht worden sein.

Während inzwischen im Gästebuch es einige braune KameradInnen wagten, das Essen im inzwischen zum „Brauen Ochsen“ konvertierten Gasthaus zu loben, is(s)t Patrick Schröder in seinem FSN-TV live-Ticker zumindest einmal im Leben realistisch:
„12:24 Erstmal ein Schnitzel bestellen – 9.10 Euro – naja mal schauen ob es das wert ist.“
„12:46 Schnitzel deutlich zu klein, aber naja“

Sehr interessant scheint der Parteitag bis jetzt nicht abzulaufen. Die offizielle Mitgliederzahl ist von 5917 vor dem letzten Parteitag 2011 auf 5400 nach offiziellen Angaben zurück gegangen. Schröder stellt fest:
„19:25 Seit einigen Minuten schildert Frank Schwerdt die Vorkomnisse des Amtes Recht“ um dem anzufügen:
„19:32 Ich geh jetzt mal aufs Klo :-)

Was ist eigentlich wichtiger? Braune Scheiße oder Braune Scheiße? Patrick Schröder kann sich nicht entscheiden:
„20:00 Zurück von der Toilette – Jörg Hähnel spricht zum Thema Neue Medien / Öffentlichkeitsarbeit“
Toilette – ist das überhaupt deutsch? „Schröders Wortschatz ist eines Deutschen unwürdig“ hätte Voigts Beitrag lauten können, wäre er dem Parteitag nicht fern gegblieben.

Das Tagungspräsidium (Stefan Köster, Frank Schwerdt) will die Wahl „des Parteivorsitzenden und seiner Stellvertreter“ vorziehen und die „Aussprache zu den Rechenschaftsberichten auf die Zeit nach der Wahl“ verschieben meldet Matthias Faust auf DS-aktuell. Der Plan, Fakten zu schaffen und danach zu diskutieren scheitert. Anders als bei der AfD, bei der erst das Wahlprogramm verabschiedet wurde und danach mit einer 75% Mehrheit Änderungsvorschläge diskutiert werden konnten, steht die NPD nicht einheitlich hinter ihrem Tagungspräsidium und ihrer Parteiführung. Und das an des Führers Geburtstag! Die Diskussion beginnt mit 5minütiger Redezeit Begrenzung. Schröder teilt mit:

„20:30 „Uwe Meenen fragt bei Holger Apfel nach, was er zur AfD und die Gefahr für die NPD meint… Antwort steht aus und wird kommen.“ Nach Matthias Faust spricht Meneen „vor allen Dingen zum Thema Deutsche Stimme Verlag“. Die Sichtweise verwundert nicht, ist es doch Fausts Arbeitsplatz. Schröder verbreitet zu Faust und seiner Tickerführung:
„17:04 Also wenn ich mir die anderen Ticker so anschaue, dann seid ihr bei uns ja quasi mit in der Halle ;-)
Ich geh gleich mal zu Matthias Faust und verpass Einläufe als würd ich vorm Boxkampf einpennen :-)
Gerüchte über Fausts neuen Zweitjob halten sich ja trotzt Dementi hartnäckig im Netz. Schröder schein mehr zu wissen. Er fährt fort:
„17:08 Gut ok, Matthias Faust kann nichts dafür, der muss parallel die Eröffnung eines neuen Burger King Restaurants tickern.“ Na – ob das lange gutgeht? Deutsch-national und US-Fastfood? Von der Figur her würde es schon passen!
„20:33 Edda Schmidt fragt sich, warum keine schwarz-weiß-roten Fahnen hängen und warum die Ostgebiete nicht Thema sind…“
Wann kommt das Geburtstagslied an den Führer und seine Ehrerbietung mit dem Deutschen Gruße zur Sonne? Wird uns dieses Ereignis in den nationalen Tickern vorenthalten?

Apfel leugnet nun nach Schröder, jemals gesagt zu haben “jeder der Steuern zahlt sei hier willkommen”. Gemeldet wird bis jetzt nicht, dass Apfel stattdessen analog Faust „GAS geben!“ gefordert habe. Wie er zu Parteimitgliedern wie Safet Babic steht, und ob diese Steuern zahlen oder nicht ist unseres Wissens nach ebenfalls nicht Gegenstand der Aussprache gewesen.

Die Wahl des Parteivorsitzenden steht an. Uwe Meenen, stellv. Berliner Parteivorsitzender und Kader der mit rechtskräftig verurteilten Rechtsterroristen durchsetzen „Freien Netz Süd“ tritt gegen Apfel an. Kommentare auf der NPD-FB-Seite geben Meenen nicht mehr als 10 Stimmen oder sprechen vom 1. April. Das Stiefelnaziportal „Altermedia“ dagegen übernimmt dazu den Live-Ticker von FSN-TV und setzt anscheinend auf Meenen:

Real wurden es 37 Stimmen für Meenen und 122 für Apfel. 25% Prozent aus dem Stand heraus. Da wäre Apfel gegenüber Voigt wahrscheinlich auf der Strecke geblieben. Die NPD selbst beendet auf ihrer Homepage nach der Wahl Apfels trotz fortlaufenden Parteitages ihre Berichterstattung: „22:00 Uhr Liebe Leser, die Echtzeit-Berichterstattung auf npd.de endet für heute an dieser Stelle.“ Besser kann sich eine Partei nicht blamieren. Oder wollen da einige HERRschaften noch vor24.00 Uhr auf die unglückliche Geburt ihres Führers anstoßen?

Karl Richter verdrängt Pastörs als 1. stellv. Parteichef mit 149 Stimmen. Galt Pastörs einst als Scharnier zu den Freien Kameradschaften, nimmt sein Ansehen dort stetig ab. Der einstige Apfelgegner ist längst ein treuer Gefolgsmann des seriösen Radikalismus geworden. Richter dagegen hat im Herbst den bayerischen Landesverband vom Apfel treuen Ollert übernommen, den sich weigerte mit dem größten Süddeutschen Kameradschaftsnetzwerk Freies Netz Süd zusammenzuarbeiten. Richter kennt da keine scheu. Selbst mit den rechtskräftig als Rechtsterroristen verurteilten Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger ist er regelmäßig öffentlich bei Aktionen zu sehen. Apfelfreund Schwerdt folgt mit 147 Stimmen, den Zenit seines Einflusses überschritten wird Pastörs mit 140 Stimmen Dritter. Anders als Meenen, der nur eine Testfunktion mit seiner Kandidatur gegen Apfel inne hatte, hat sich Richter in eine aussichtsreiche Position zum Sturz Apfels beim nächsten Parteitag manövriert.

Um 23.08 Uhr meldet Schröder das langsame Auslaufen des Parteitages: „Die Abstimmung für die Wahl der Beisitzer beginnt in Kürze. Das Ergebnis wird jedoch erst morgen bekanntgegeben“. Jetzt aber endlich, auf der NPD-Facebook Seite werden Geburtstagsliedchen geträllert, „Wir werden kämpfen!Dein Blut ist unser“ wird dem „Führer A. H.“ Treue und alles gute geschworen. Die NPD sind doch nur „Nationaldemokraten“ und keine „Nationalsozialisten“. Wie wohl im „Braunen Ochsen“ gefeiert wird?

Am Sonntag den 21. April werden die Stimmen für die Beisitzer ausgezählt. Das gesamte ehemalige Parteipräsidium wurde bis auf die sich nicht zur Wiederwahl stellenden Birgit Fechner (Referat Sozialpolitik) und Wolf Lehner (Referat Finanzen) im Amt bestätigt. Ricarda Riefling, die erst Anfang März einen Landrat körperlich angegriffen haben soll „NPD Kader Ricarda Riefling greift Landrat an!“, erlitt eine herbe Niederlage und wurde erst im zweiten Wahlgang mit der niedrigsten Stimmenzahl (74) ebenso wie der NRW-Vorsitzende Claus Cremer in den Vorstand der extrem rechten Partei gewählt. Da Cremer und Marx dem Gremium schon als berufene Beisitzer angehörten kann der um einen Platz auf 15 gewählte Beisitzer erweiterte Parteivorstand nur einen wirklichen Neuzugang vorweisen: Ariane Meise. Sie steht dem KV Rhein-Sieg-Kreis vor, ist für die NPD NRW für Rechtsfragen zuständig und stellvertretende Vorsitzende der NPD NRW. Mit dem NRW Doppelpak möchte die Partei ihren Machtanspruch gegen die vor allem in NRW erstarkte ultrarechte Partei „Die Rechte“ sowie gegen „Pro-NRW“ aufzeigen.

Der bayerische NPDler Patrick Schröder von FSN-TV findet den Beginn des Parteitages zu früh – jedenfalls kommt sein Live-Ticker bis 11.20 Uhr nicht in Gang. Vielleicht feierte er Gestern auch zu lange Geburtstag?

Wurde gestern zumindest auf der NPD FB-Seite während des Parteitages Hitlers Geburtstag gefeiert, so gedachten die braunen Kameraden heute um 10.40 Uhr verstorbener Nazis. Einer solchen Ehrung wollten die Pressevertreter nicht beiwohnen. Das betrübte die anwesenden Neonazis so sehr, dass der Berliner Parteivorsitzende und Kameradschaftler Schmidtke den Ausschluss der Presse beantragte. Dieser Antrag soll mit großer Mehrheit angenommen worden sein. Auf ihrer FB-Seite bezeichnet die NPD die des Saales verwiesenen JournalistInnen als „Journaille“ und „Schreiberlinge“. Alles schon einmal da gewesen.

Währenddessen hat sich der „Braune Ochse“ gegen die auf seinem Gästebuch geführten Schlachten gewehrt und es einfach abgeschaltet: „Fehler: guestbook dir: /home/strato/www/zu/www.zum-schwarzen-ochsen.de/htdocs/cgi-data/guestbook not found! „Leider konnten wir den Wirt telefonisch nicht erreichen zur Fragestellung, ob dies der erste Schritt zur vollständigen Abschaltung des gesamten Gasthauses sei?

Mit kulturellen Aktivitäten scheint es beim „Braunen Ochsen“ vorbei zu sein. So kündigte z. B. der Vorsitzende des Stadtjugendringes Weinheim, Wolfgang Metzeltin, in den Weinheimer Nachrichten vom 21. April an, er könne „mitteilen, dass der Theaterverein „Holzwurm“ dort künftig nicht mehr auftreten werde“.

Seit 11.50 Uhr (schon über eine Stunde) wird ein Antrag des Kreisverbandes Berlin-Pankow beraten. Der Parteivorstand hatte einen Beschluss gefasst, der Redemöglichkeiten von FunktionsträgInnen konkurrierender Parteien auf NPD-Veranstaltungen untersagt. Dieser Antrag möchte den Beschluss aufheben. Um 13.15 wird der Antrag abgelehnt. Auf dem Parteitag soll auch ein Antrag vorliegen, der das Verbot des Parteivorstandes, dass Thorsten Heisse nicht auf der 1. Mai Kundgebung der Partei „Die Rechte“ sprechen darf, aufheben soll. Wahrscheinlich ist, dass eher interner Streit und das Waschen von schmutziger Wäsche nicht an die Öffentlichkeit kommen soll und deswegen die JournalistInnen des Saales verwiesen wurden.

Inzwischen gibt es einen sehr schönen Bericht über die Gegenaktivitäten bei Weinheimblog.

aktualisierte Fassung vom 22.04.13, 11.00Uhr

Bürgerinnen und Bürger gegen extreme Rechte.

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