Wie völkisch denken die Verantwortlichen des „ECHO-Preises“?

Wie völkisch denken die Verantwortlichen des „ECHO-Preises“?

Wie deutschnational sind die Ausrichter des „ECHO“? Ist Südtirol für sie deutsch? Oder weshalb fällt die extrem rechte Musikgruppe Frei.Wild bei ihnen unter die Kategorie „Rock / Alternative National“ statt „Rock/ Alternative International“? Soll so eine Band protegiert werden, bei der die Verkaufszahlen in der Rubrik „International“ möglicherweise nicht ausgereicht hätten? Welche Gruppe bleibt für die Band auf der Strecke und verfehlt die Nominierung? Diese letzte Frage könnten wir demnächst beantwortet bekommen, denn die Deutsche Phono-Akademie nimmt Frei.Wild, wie sie in einer Meldung vom 7.3.2013 19:30 Uhr mitteilte, von der Liste der diesjährigen ECHO-Nominierten

Andreas Leisdon, Pressesprecher des Bundesverbandes Musikindustrie, bezieht zu der Frage „Aus welchem Grund erfolgt die Nominierung in der Kategorie “Rock / Alternative National?“ gegenüber dem Blog „hedrik.de“ (1) Stellung:


„Die Zuordnung in die Kategorie National ergibt sich dadurch, dass die hierfür erforderlichen Kriterien erfüllt sind – es liegen deutsche Pässe von Bandmitgliedern vor, es wird in Deutschland aufgenommen und in diesem Fall auch Deutsch gesungen.“

Das Reglement des „ECHO“ besagt bezüglich der Qualifikation in der Kategorie 12 „Rock / Alternative National“ und Kategorie 13 „Rock / Alternative International“ (2):

„Für nationale Preise sind alle deutschen Interpreten qualifiziert. Für internationale Preise sind alle ausländischen Interpreten und Gruppen/Kollaborationen qualifiziert, die nicht in den nationalen Bereich fallen.“

Offizielles Kriterium ist also nicht die Sprache des Gesanges oder der Aufnahmeort, sondern ob es eine deutsche Gruppe ist oder nicht. Dies macht der Pressesprecher an „deutschen Pässen von Bandmitgliedern“ fest. Frei.Wild besteht aus vier Personen. Unserem Wissen nach hat lediglich ein Bandmitglied einen deutschen Pass. Falls wir uns irren sollten, lassen wir uns gerne eines besseren belehren.

Um vieles interessanter finden wir, wie Frei.Wild sich selbst definiert. Die Gruppe hat eine Seite „Frei.Wild und Die Macht der Medien“ (3) erstellt. Nach eigenen Angaben dient sie „allein aufklärenden Zwecken und soll allen Fans, Journalisten, Autoren, Veranstaltern und sonstigen Interessierten Informationen aus erster Hand liefern.“

„Dadurch, dass wir in all den Jahren, in der wir mit der Band unterwegs sind, die meiste Zeit in Deutschland verbracht haben, haben wir vor allem in den letzten Jahren sehr wohl erkannt, dass z.B. Begriffe wie Heimat und Volk in Deutschland mit einer ganz anderen Sensibilität ausgesprochen werden als in Südtirol. Beide Begriffe sind in Deutschland eher negativ besetzt und belastet. Sie werden nur ungern benutzt, da sie schnell falsche Assoziationen hervorrufen. Das mussten wir erst lernen und stellte uns anfangs tatsächlich echt fassungslos. Für uns Südtiroler unterliegen diese Begriffe im Sprachgebrauch überhaupt keiner wie in Deutschland grundsätzlich negativen Belastung. Die Assoziationen zur Heimat und dem eigenen Volk, d.h. zu den Menschen, die Südtirol leben, sind erst einmal positiv.“

Mit dieser Aussage wollen sie unseres Erachtens nach ihre nationalistischen, heimat-tümmelnden Texte verharmlosen. Aber die Gruppe zieht eine klare Trennlinie zwischen „Für uns Südtiroler“ und Deutschland. Kennt „ECHO“ diese Seite für alle Fans, Journalisten, Veranstalter…. nicht? Wie kann eine solche Gruppe, die sich klar als Südtiroler Band definiert in Deutschland in der Kategorie „National“ gelistet werden? Haben der Entscheidung mächtige Personen bei „ECHO“ gar eine andere Auffassung zum Verhältnis „Deutschland – Südtirol?“

„Südtirol – kaum ein anderer deutscher Landstrich kann mehr als schmerzvolles Sinnbild für die Unterdrückung deutschen Lebens, deutscher Tradition und Kultur gelten. Seit fast 100 Jahren wird das deutsche Wesen dort durch italienische Besatzer niedergehalten und jedwede Freiheitsbestrebung mit Gewalt im Keim erstickt. Am 04. November 1918 besetzte das italienische Militär völkerrechtswidrig Südtirol und trennte es vom deutschen Mutterland ab.“

So beginnt ein Artikel des neonazistischen Kameradschaftsverbundes „Freies Netz Süd“ am 1. März 2013 zu einer Flugblattverteilung in der Wagner-Stadt Bayreuth. Hunderte von Flugblättern wollen sie verteilt haben, damit „Südtirol als das im Kopf und im Herzen der Deutschen bleibt, was es ist: ein Stück deutsches Land!“ Ist für „ECHO“ Südtirol auch „ein Stück deutsches Land“?

Die in der gleichen Kategorie gelisteten Gruppen Mia und Kraftklub wollen angesichts der Nominierung von Frei.Wild, dass ihre Nominierung zurückgezogen wird. Weitere Anfangs gestellte Fragen bleiben offen:

Soll so eine Band protegiert werden, bei der die Verkaufszahlen in der Rubrik international möglicherweise nicht ausgereicht hätten?

Welche Gruppe bleibt für die Nominierung von Frei.Wild in der Kategorie „National“ auf der Strecke und verfehlt die Teilnahme am „ECHO“?

Aktualisierung, 7.3.13, 19:50:

Die Deutsche Phono-Akademie nimmt die Band Frei.Wild von der Liste der Nominierten in der Kategorie „Rock/Alternativ National“. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, stellt dazu fest (5):

„Wir haben in den letzten Tagen heftige Kontroversen um die Nominierung von Frei.Wild, die auf Basis der Charts-Auswertung erfolgte, erlebt, die den gesamten ECHO und damit auch alle anderen Künstler und Bands überschatten. Um zu verhindern, dass der ECHO zum Schauplatz einer öffentlichen Debatte um das Thema der politischen Gesinnung wird, hat sich der Vorstand nach intensiven Diskussionen dazu entschlossen, in die Regularien des Preises einzugreifen und die Band Frei.Wild von der Liste der Nominierten zu nehmen.“

Schon im „Vorfeld zur diesjährigen Preisverleihung“ wollen sie „begonnen haben, die Anpassung“ der „Regularien anzugehen“. Dies soll in Hinblick auf die aktuelle Problematik weiter forciert werden. Der Bundesverband Musikindustrie und die Deutsche Phono-Akademie betonen in der Stellungnahme, dass sie „mit Aktionen wie „Starke Stimmen gegen Rechts“ seit jeher in diesem Umfeld Farbe bekannt haben.“

Wir freuen uns über den Beschluss und sind gespannt, ob das ganze inhaltlich noch ausgeführt wird. Insbesonders wie die Einordung in die Kategorie „Rock/Alternativ National“ zustande gekommen ist, bedarf unserer Meinung nach noch einer Erklärung.


Bürgerinnen und Bürger gegen extreme Rechte


Fußnoten

1.) http://hedrik.de/?p=625
2.).http://www.echopop.de/fileadmin/pop/upload/echo/reglement/ECHO2013_Kategorienfolder.pdf
3.) http://www.die-macht-der-medien.de/
4.) http://www.freies-netz-suedNaziseite.net/index.php/2013/03/01/sudtirol-bleibt-deutsch-verteilung-in-bayreuth/ (Zum Aktivieren des Links bitte „Naziseite“ entfernen.
5.) http://www.musikindustrie.de/aktuell_einzel/back/84/news/deutsche-phono-akademie-nimmt-freiwild-von-der-liste-der-diesjaehrigen-echo-nominierten/

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1 Antwort auf „Wie völkisch denken die Verantwortlichen des „ECHO-Preises“?“


  1. 1 Anni 07. März 2013 um 21:01 Uhr

    Euch ist schon bewusst das mindestens ein Bandmitglied deutsch sein muss und da Föhre in München geboren wurde dürften sie auch an der Kategorie teilnehmen. ;) Also vorher mal informieren bevor man irgendwelche vermutungen aufstellt. :)

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