Wehrsportgruppen Hoffmann goes „Dr. Sommer“

Wehrsportgruppen Hoffmann goes „Dr. Sommer“

Der Gründer der Wehrsportgruppe Hoffmann rückte erst letzte Woche durch einen Beitrag des SWR in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Es wurde bekannt, dass er letztes Jahr praktisch einmal im Monat eine öffentliche Veranstaltung abgehalten hat. Zwei davon hielt er im Hauptquartier seiner ehemaligen Wehrsportgruppe, im Schloss Ermreuth bei Nürnberg. In seinen Vorträgen geht es um Geheimdienste, die WSG Hoffmann, die NSU, das Münchner Oktoberfest Attentat: Alles was irgendwie mit Rechtsterrorismus in Deutschland zu tun hat erläutert Hoffmann den braunen Kameraden, die zu den BesucherInnen seiner Vorträge gehören. Hoffmann ist wieder aktiv. Doch dies ist nicht sein einziger Ansatz, um AnhängerInnen an sich zu binden.

Auf seiner Internetpräsenz avanciert er zum „Dr. Sommer“ für die nationale Fangemeinschaft in punkto Ernährungsfragen. Seit Herbst letzten Jahres tritt Alexandra Neidlein im NPD Parteiorgan „Deutsche Stimme“ als „Dr. Sommer“ auf. Die aus Baden-Württemberg stammende NPDlerin betreut dort ratsuchenden Neonazis mehr schlecht als recht in allen Lebenslagen. Karl Heinz Hoffmann versucht selbiges nun bei Fragen des Kochens und der Ernährung.

Großspurig wird die Aktivität von ihm als „Forum“ betitelt. Real muss die höchsten 20 Zeilen lange Frage an „Dr. Hoffmann“ per Mail eingesendet werden. Innerhalb von 2 Tagen will der Wehrsportgruppengründer „über die Eignung zur Verwendung im Forum“ entscheiden und die Frage bei Relevanz ganz im Stile der Bravo Veröffentlichen und Beantworten oder aber eben nicht. In seinem Einleitungskommentar zu „Dr. Hoffmanns“ Fragerunde nimmt er u.a. zur Problematik des Übergewichts Stellung. Er führt einen Vergleich die Körperfülle betreffend zwischen Europa und Indien durch:

„Für die moderne europäische Bevölkerung scheint das Übergewicht bereits die Regel geworden zu sein. Nicht so in Indien. Bewegt man sich durch die in Indien allerorten dicht gedrängten Volksmassen, so kann man sich lange umsehen, bis man einen erkennbar wohl genährten Menschen sieht, und wenn doch, dann läuft er nicht, sondern sitzt in einer von Menschenkraft bewegten Rikscha. Jedenfalls bleibt der Dicke in Indien die Ausnahme. Das Volk ist durchweg schlank. Die gesund wirkenden Körper der indischen Bevölkerung sind nicht allein das Ergebnis des Mangels, sondern auch der spezifisch indischen Küche“

Ein Zusammenhang zwischen „Mangel“ und der „spezifisch indischen Küche“ besteht bei Hoffmann nicht. So rät er seinen LeserInnen in diesem Zusammenhang nicht, für längere Zeit zu Hungern. Sich selbst als Märtyrer und Held den KameradInnen darzustellen, vergisst der Gründer der Wehrsportgruppe nicht: „Als mich die Verhältnisse zwangen, während meiner Haftzeit zweimal innerhalb von zwei Jahren in den Hungerstreik zu treten, einmal für die Dauer von 53 Tagen und das andere Mal für 56 Tage, erwuchs mir die Kraft, diese Zeit durchzustehen, nicht zuletzt auch aus den hinter mich gebrachten Lebenserfahrungen.“ So rät er seinen AnhängerInnen nun: „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, hin und wieder Hungerphasen einzulegen.“

Richtig Essen will gelernt sein? Gesund zu essen heißt, sich das Fressverhalten der Tiere als Vorbild zu nehmen, so die Quintessenz seiner Darstellung, wie die Nahrungsaufnahme des Menschen tagsüber gestaltet sein sollte:

„Früh ist die Phase der Entleerung (wenigstens dann, wenn man die Hauptmahlzeit am Abend nimmt), da soll man sich nicht den Bauch voll schlagen. Mittags sollte es auch nicht zu reichhaltig sein, weil man in der Regel zu arbeiten hat. Das bedeutet Bewegung, es sei denn man ist Beamter. Der Mageninhalt wird geschüttelt und kann nicht zur Ruhe kommen. Das bedeutet Störung der Verdauung. Geht der Tag zur Neige, soll man die Hauptmahlzeit nehmen, denn man kann sich nach dem Essen mitsamt seinem gefüllten Magen zur Ruhe begeben. Die Beobachtung der Natur lehrt uns das richtige Verhalten: Jedes Tier frisst und legt sich nieder, damit der Verdauungsvorgang in Ruhe vor sich gehen kann.“ „Wer es den Tieren gleich tut, dazu seine Speisen gut pfeffert und würzt, um den Speichelfluss zu verstärken, hat, wenn er nicht gerade genetisch für Krankheiten vorprogrammiert ist, gute Chancen, lange gesund zu bleiben“ kommt der Ernährungsspezialist langsam zum Schluss in seiner Einführung.

Auch bei Problemen mit Heuschnupfen hilft der „Dr.“ aus Ermreuth mit Rat aus erster Hand

: „Hülsenfrüchte sind überhaupt ein hervorragendes Nahrungsmittel. Sie sind nahrhaft, entgiften den Darm, und eignen sich nach meiner eigenen Erfahrung sehr gut zur Drosselung von Heuschnupfen-Beschwerden.“

Als Beispiel wollen wir noch eine Fragerunde von Dr. Sommer alias Dr. Hoffmann präsentieren:
FRAGE

„Hallo Herr Hoffman, gratuliere zu Ihrer Forum-Gestaltung. Die rustikale Kücheneinrichtung ist ein Traum.
Ihr türkiches Linsenrezept werde ich in den nächsten Tagen „in Angriff nehmen“.

Da ich unter starkem Übergewicht leide, will ich nun nahrungsmäßig auch etwas tun.


Wie sieht es mit Lamm und Geflügel aus ?
Was ist besser ? Meeresfisch oder Süßwasserfisch. (Esse für mein Leben gerne Zander)

Bis bald, M“

Hoffmanns Antwort ist ausführlich und wird wie die Frage in Ausschnitten von uns wiedergegeben. „Interessant wie Sie Ihr Übergewicht beschreiben. Sie „leiden“ an Übergewicht“ diagnostiziert der neue Dr. Sommer und rät:
„Wer zu dick ist, sollte dringend etwas dagegen unternehmen. Theoretisch kann jeder Mann mit 80 das gleiche Gewicht haben das er mit 20 hatte.“ “Doch wann ist man nur etwas „kräftig“ und wann ist man zu dick?“ fragt der „Fachmann“ in Ernährungsfragen. „Wenn ein Mann aufrecht stehend, natürlich nackt, an seinem Körper entlang nach unten blickend sein Zeugungsinstrument nicht mehr sehen kann, ist er zu dick. Dann muss er handeln“ lautet Hoffmanns einfacher Lösung für den Mann. Wie sie wohl für die Frau heißen mag?
„Kaufen Sie grundsätzlich keine Süßigkeiten und kein fettes Fleisch. Niemals Schokolade und keine Butter. Auch keine süßen Getränke. Auch reine Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz enthalten Zucker! Am besten ist Mineralwasser“ schlägt Hoffmann ganz dem Mainstream folgend als Schlankheitsdiät vor.

„Verzichten Sie auf jede Art von Fertiggerichten. Es ist wie mit der Verwendung von Fremdwörtern. Man kann nie wissen was sie bedeuten“ erklärt der ehemalige Chef der verbotenen Wehrsportgruppe seinen nationalen KameradInnen plastisch. „Weltnetz“ für „Internet“, „E-Post“ statt „E-Mail“ und „tragbarer Funkfernsprecher“ statt „Handy“, das sind Begriffe, die das nationalistische braune Herz versteht und die ihm leicht begreifbar machen, dass Fertiggerichte genauso ein Übel wie Fremdwörter sind.

„Zum Verzehr von Fischen kann gesagt werden“ führt Dr. Hoffmann fort: „Wer abnehmen will, tut gut daran, statt fettem Schweinefleisch und Wurst, lieber Fisch zu essen, aber nur dann, wenn er nicht gerade geräucherten Aal auf dem Teller haben will. Makrele kann auch ziemlich fett sein.“ Wer hätte das gedacht? Auch der Geruch der verwendeten Lebensmittel ist für Hoffmann nicht unbedeutend: „Das Wildschweinfleisch schätze ich persönlich nicht besonders. Da weiß man nie, ob man nicht ein Stück von einem Eber gekauft hat. Wenn man es dann warm macht, schlägt einem der Eberduft unangenehm entgegen.“

Brauner „Duft“ stinkt, können wir da nur beipflichten. Dr. Hoffmans Ratgeber ist ein Mix aus Binsenweisheiten bei Ernährungsfragen, kruden Ansichten und nationalistischem Gedankengut. Ein Ratgeber so inhaltsvoll und belustigend wie die original Dr. Sommer in der Bravo.

Bürgerinnen und Bürger gegen extreme Rechte

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