Stalin konnte es besser – oder eine kurze Geschichte über die mangelnde Fähigkeit zur Retusche bei der NPD und ihre Folgen

Stalin konnte es besser – oder eine kurze Geschichte über die mangelnde Fähigkeit zur Retusche bei der NPD und ihre Folgen

In unserem Artikel Aufgedeckt: NPD Kolumnistin betreibt FB-Seite zu Kindesmissbrauch legten wir offen, dass Alexandra Neidlein die Intiatorin der FB-Seite „Deutschland gegen Kindesmissbrauch“ ist. In diesem Artikel wollen wir aufzeigen, wie die NPD sich verzweifelt bemüht, diese Erkenntnis zu verschleiern. Parteiseiten werden retuschiert, Alexandra Neidlein versucht sich als Märchenautorin und in den sozialen Netzwerken hetzen Neidlein und ihre NPD FreundInnen weiterhin pro Todesstrafe und für rechtes Gedankengut.

Letztes Jahr veröffentlichte der NPD Kreisverband Schwäbisch-Hall einen Bericht einer Veranstaltung mit dem Titel: „NPD – Infoveranstaltung zum Thema “Kindesmißbrauch”“. Presserechtlich verantwortlich ist der Landesgeschäftsführer der NPD Baden-Württemberg Alexander Neidlein. In dem Artikel wird über einen Vortrag des KVs mit Herrn Neidleins Frau Alexandra als Referentin berichtet (1). Und Alexandra Neidlein wurde als Initiatorin der FB-Seite „Deutschland gegen Kindesmissbrauch“ geoutet (2): “Hier müsse die Bevölkerung darüber aufgeklärt werden, welche Parteien für diese Dinge verantwortlich seien, so Alexandra. Die Wahl von Politikern der etablierten Parteien, die das Thema nicht ernst genug nehmen, hat unter Umständen auch Folgen für die eigenen Kinder”, warnt Sie. „Ihre im Anfang Oktober 2012 ins leben gerufene Facebook Seite “eine Million Stimmen gegen Kinderschänder“ wurde inwischen über 300 000 mal aufgerufen, dies zeige so Frau Alexandra wie wichtig…“ Als aus dem Artikel auf DS-aktuell in einem Kommentar zitiert wurde, wurde dieser sofort vom Netz genommen.

Jetzt, nach einigen Wochen, ist er seit dem 1. Januar wieder online – diesmal im Neuen Gewand. Referentin ist nicht mehr „Alexandra“ sondern „E. Friedrich“(3) Und da fängt das Dilemma der Partei auch schon an. Die Retusche erfordert ein genaues Ersetzen „Alexandra Neidleins“ durch „E. Friedrich“. Sie müsste so aus dem Artikel ausgemerzt werden, dass ihr vorheriges Vorhandensein nicht mehr zu erkennen ist. Erinnert sei nur an verschiedenste Fotos aus denen Stalin in Ungnade Gefallene wegretuschieren lies. Die NPD, eventuell in Gestalt des Gatten Neidlein, der seiner Ehefrau eine solch radikale Löschung doch nicht antun konnte, handelte anders.

Wie wurde der Text bearbeitet? Aus „Gastreferentin Alexandra hob in ihrem Redebeitrag“ wurde „Gastreferent E. Friedrich hob in ihrem Redebeitrag“. Nachdem aus der „Referentin“ der „Referent“ wird, also scheinbar ein Mann, wird danach von „ihrem Redebeitrag“ gesprochen. Ja was denn nun, Herr oder Frau Friedrich?

Scheinbar doch eine Frau: „Sie erläuterte…“, „Sie wies…“ heißt es im folgenden Absatz. Scheint, dass da bei der Retusche ein ganzer Absatz übersehen wurde. Dann streifte die vermeintliche Frau Friedrich scheinbar schnell den Rock ab und zog sich die Hosen an: Wo vorher stand „Weiter verdeutlichte sie…“, „wobei Frau Alexandra…“, „Ebenso wies sie…“, „verantwortlich seien, so Alexandra“ und „warnt sie“ ist nun schwarz auf weiß zu lesen „Weiter verdeutlichte Er…“, „wobei E. Friedrich…“, „Ebenso wies Er…“ „verantwortlich seien, so Friedrich“ und „warnt Er“. Wohl um zu betonen, dass es sich um einen „er“ und nicht um Alexandra Neidlein handelte, wird „Er“ auch jeglicher Rechtschreibung widersprechend konsequent groß geschrieben.

Und es bleibt deshalb folgerichtig auch beim er: „Seine im Anfang Oktober 2012 ins leben gerufene Facebook Seite “eine Million Stimmen gegen Kinderschänder” wurde inzwischen über 300 000 mal aufgerufen, dies zeige so wie wichtig…“

Dies zeige so sagt „wer“? Da fehlt doch was! Und richtig, im Original heißt es: „Ihre im Anfang Oktober 2012 ins leben gerufene Facebook Seite “eine Million Stimmen gegen Kinderschänder“ wurde inwischen über 300 000 mal aufgerufen, dies zeige so Frau Alexandra wie wichtig…“ Da wurde sie doch komplett ausgetilgt und nicht ersetzt.

Ein komplett misslungener Versuch der Retusche von Seiten der NPD, der erneut beweist, dass die Partei das Beste dafür tut, um zu verheimlichen, dass sie in Gestalt von Frau Neidlein hinter der FB-Missbrauchsseite steckt. Aber ihr Bestes ist halt nicht gut genug.

Jetzt geht die Geschichte der Skurrilitäten in eine weitere Runde. Alexandra Neidlein nimmt auf DS-aktuell dazu Stellung, warum der Artikel letztes Jahr gelöscht wurde (4):

„Warum der “Kamerad”, der diese Homepage betreibt, den Bericht so abgeändert hat, weiß ich nicht – ich war darüber ebenso fassungslos wie mein Mann und wie andere ebenso… Daher habe ich auch sofort verlangt, dass diese Scheiße wieder gelöscht wird – mein Name gehört mir und der wird von niemandem missbraucht und benutzt (das geht jetzt an den netten Kameraden, der diesen Müll verbockt hat und hier mitliest…).“

Dass „der Kamerad“, der presserechtlich für die Seite verantwortlich ist, ihr Ehemann ist, der andererseits aber über den Artikel „fassungslos gewesen“ sein soll, scheint sie nicht zu stören. Ob es ihr bekannt ist, dass der Artikel, wie oben dargestellt, inzwischen wieder online und keinesfalls gelöscht ist?

Als Beleg dafür, dass am 6. August 2011 eine Veranstaltung zu Kindesmissbruch mit einem Referenten „Emil Friedrich“ stattgefunden habe, führt Alexandra Neidlein einen Artikel von linksunten.indymedia auf, in dem in einem Jahresrückblick vom Antifa-Recherche-Team Baden-Württemberg die Veranstaltung erwähnt wird (5). Ob bei dieser ersten Veranstaltung der Referent wirklich Emil Friedrich war oder aber auch damals schon Frau Neidlein, lässt sich schwierig recherchieren. Denn die Autoren setzten vorneweg folgenden Einschränkung:

„Vorbemerkungen
* Viele der angegebenen Veranstaltungen beziehen sich auf Ankündigungen und Berichte. Ob angekündigte Veranstaltungen immer auch stattfanden, bzw. die angekündigten Referenten auch wirklich immer auftraten, kann nicht in jedem Fall mit Sicherheit garantiert werden.“

Gut möglich, dass schon 2011 ein Pseudonym „Emil Friedrich“ von der NPD geschaffen wurde, um Alexandra Neidleins Identität zu verschleiern. Dass es am 6.8.2011 eine NPD Veranstaltung zu Kindesmissbrauch gegeben hat, wird von niemand in Frage gestellt.

Auf DS-aktuell geht Alexandra Neidlein noch weiter. Sie stellt in Frage, dass es die Veranstaltung 2012 überhaupt gegeben habe: „Diese erstunkene ”Neuauflage” mit meinem Namen … war das Werk anderer Leute, über das “warum” kann jeder gerne selbst nachdenken. Gott sei Dank bin ich kein Verschwörungstheoretiker.“ (4) In anderen Worten ausgedrückt, da erstellt ein NPDler einen Artikel auf der Hompage des NPD KV Schwäbisch Hall, für den der KV Vorsitzende Alexander Neidlein presserechtlich verantwortlich ist. Der Artikel beschreibt eine erfundene Veranstaltung. Bei dieser erfundenen Veranstaltung ist Alexandra Neidlein die Referentin. Auf der Seite erscheinen pro Monat lediglich1 bis 6 Artikel. Diese Artikel bekommt ihr für die Seite verantwortliche Ehemann allerdings gar nicht mit, zumindest nicht den über sie. Frau Neidlein sollte sich vielleicht mal als Autorin von Märchen probieren. Fantastischen Stoff hat sie schon geschaffen.

Am Nachmittag des 4. Januars „ziert“ ein Foto der ultranationalistischen Aktion „DEUTSCH.PUNKT“ über die gesamte Bildbreite die NPD-FB-Seite „Deutschland gegen Kindesmissbrauch“ (6). In einer Karikatur wird dort gegen die führenden Grünen PolitikerInnen gehetzt. Was dies mit dem Missbrauch von Kindern zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

Wie damit das Klientel in die gewünschte eigene Richtung getrieben werden soll, dies wird da sehr wohl klar. Gleich darunter befindet sich eine Umfrage zur Todesstrafe. Und wer veranstaltet diese? „Alexandra Nightline’s ÜBER DEM Horizont“, also Frau Neidlein in Form der FB-Seite ihrer Kolummne „Über dem Horizont“ beim NPD Parteiorgan „Deutsche Stimme“.

„Todesstrafe für die Vergewaltiger und Mörder der 23-jährigen Studentin aus Indien?“ fragt die angebliche Gegnerin der Todesstrafe im gegenwärtigen aufgeheizten Klima über das abscheuliche Verbrechen.

Erste Antwortmöglichkeit und von fast allen gewählt ist: „Ja zur Todesstrafe, diese Bestien haben ihr Recht auf Leben verwirkt.“ Der Mensch wird zum Tier degradiert und verliert damit sein Lebensrecht. Fast alle wählen diese Option.

„Nein, Bewährung oder kurze Haft und Therapie reichen aus.“ ist die zweite polemische Antwortmöglichkeit, als ob ein Mörder und Vergewaltiger hier nur Bewährung erhalten würde und für selbiges irgend jemand ernsthaft eintreten würde.

Als letzte Möglichkeit wird dann ganz im nationalsozialistischen Duktus „Arbeitslager wäre angemessen“ als Antwort feilgeboten. Unter den Befürwortern finden sich bekannte NPDler wie Neidleins Ehemann, der KV Weinheim und Heidelberg Jan Jaeschke oder der Krefelder Philippe Bodewig (7), Mitglied im LV NRW der NPD. 2011 gab dieser nach dem Zuzug eines verurteilten Sexualstraftäters nach Krefeld von sich: „Eventuell hängen noch Stricke am Krefelder Gericht; wenn nicht, sind die schnell wieder angebracht. :)(8)


Bürgerinnen und Bürger gegen extreme Rechte

Bei den Zitaten wurden alle Rechtschreibfehler im Original übernommen.

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Fußnoten

(1) Screenshot 1 und 2

(2) Siehe unseren Artikel https://www.facebook.com/media/set/?set=a.415178308553459.98997.413867662017857&type=1

(3) Screenshot 3 und 4#

(4) Vgl. http://ds-aktuell.EXTREMRECHTESEITEde/?p=2311#comment-9512

(5) https://linksunten.indymedia.org/de/node/52614

(6) Siehe Screenshot 5

(7) Screenshot 6

(8) siehe http://nachrichten.rp-online.de/regional/mein-nachbar-von-der-npd-1.2619615

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